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Nichts spaltet unsere Gesellschaft emotional mehr als die Zukunft der Euro-Währung. Keine Titelseite, keine Nachrichtensendung und auch keine Talkrunde vergehen, ohne dass wir von einer tagtäglichen Dampfwalze von polarisierenden Meinungen und Expertenansichten niedergebügelt werden.
Die einen sind strikt dafür, die anderen sind noch vehementer dagegen. Die einen sehen im Euro die heilige Schlacht um Europa und die Chance eines gedeihlichen Fortbestandes unseres Volkes, die anderen fürchten unseren Untergang, der mit Freiheits-, Vermögens- und Wohlstandsvernichtung einhergeht. Die erste Gruppe baut wohl offensichtlich mehr auf Hoffnung, die zweite wird dagegen mehr von Realitätssymptomen gequält.
Der sogenannte "mündige" Bürger ist nun mitten in die Schusslinie geraten und wird von Wirtschaftspropheten, Polit-Hasardeuren und deren Erfüllungsgehilfen unter Dauerfeuer in seelische Emotionsgefechte verstrickt, deren Ziel vermutlich in einer bedingungslosen Willen- bzw. Ratlosigkeit liegt. Sieg oder geistige Kapitulation durch totale Verwirrung, heißt das Kampfmotto der Guerilla-Drehbuchschreiber, die wahrscheinlich im Lager der Hochfinanz und Großbanken zu suchen sind.
Während sich große Teile der Bevölkerung noch im medial beaufsichtigten Narkosezustand pluralistischer Ignoranz befinden, hebelt die Kaste der gewählten und ungewählten Volksvertreter in ihrer alternativlosen Verzweiflung mittlerweile sogar das Grundgesetz aus und spannt zähneknirschend unbegrenzte Rettungsschirme auf, um die Finanz-Titanic noch ein wenig auf Kurs zu halten. Wo ist hier die Moral, fragt sich die Made im Speck oder besser gesagt die "Made in Germany"?
Wir leben in einer sehr anspruchsvollen Zeit. Wo ist der Ausweg? Wer könnte uns hierzulande mitten im Dampfkochtopf des Euro noch einen weiterführenden Gedanken vermitteln, der uns die vernebelte Frontscheibe wieder ein wenig frei macht? Wir haben uns gefreut, Ihnen einen Vordenker der ersten Stunde präsentieren zu können.
Der Vortrag fand am 4. November 2011 in den Räumen der Genossenschaft statt.
Moderation: Dr. Günter Haese