An dieser Stelle soll eine kleine Anekdote vorweg gestellt werden, die sich im Juni 2010 im Hause Gartenheim ereignet hat. Ein Vertriebs-
beauftragter eines magentafarbenen Informationsversorgungsanbieters bat um einen Termin, um für die Anschlussgenehmigungen seines Unternehmens zu werben. Nachdem er die Vorteile einer nahezu grenzenlosen Gigabit-Bandbreite pries, wurde er gefragt, wofür die denn gut sei, wofür man sie den bräuchte und welche Anwendungsmöglichkeiten denn dafür bereits existieren würden. Nachdem sich die ersten beiden Punkte noch mit einem technophilen Loblied auf einen paradiesischen Bandbreitenhimmel geschmeidig darstellen ließen, wurde der dritte Teil der Frage ehrlich beantwortet. "Wir suchen noch verzweifelt nach Anwendungen"
Hier wird ein großes Rad gedreht. Zumindest ein großes Medienrad. Kaum ist die vollmundige Ankündigung des magentafarbenen Informa-
tionsversorgers gesellschaftsfähig vermarktet worden, dass in Hannover im Laufe des Jahres 2011 rund 45.000 Haushalte an ein neues hoch-
modernes Pilot-Glasfasernetz angeschlossen werden sollen, schäumt die Publikumsbegeisterung im Bandbreitenrausch. Getreu dem Motto,
in jeden modernen deutschen Haushalt gehört ein Glasfaseranschluss, werden neue (Denk-)Standards suggeriert, die allerdings auch einige Tücken beinhalten. Insbesondere der professionelle Hauseigentümer kann in diesem Szenario zum lästigen Störenfried werden, gibt er doch seine ureigenen Eigentumsansprüche an die berühmten letzten Meter von seiner Grundstücksgrenze bis direkt hin zur Dose im Wohnzimmer seines Mieters nicht einfach kommentarlos an einen großspurig auf-
tretenden "Dritt-Melker" auf. Der edle gelbe oder magentafarbene Informationsversorger fühlt sich nun in der Entfaltung seiner langfristigen Geschäftsfeldinteressen erheblich gestört und greift sowohl zur medialen Fanfare als auch zum Spaltpilz.
Bislang war es relativ einfach, einen nicht "kooperativen" Hausbesitzer mit dummen, plakativen Parolen bei seinen eigenen Mietern als Pro-
blemfall darzustellen. Hier folgt ein kleiner Auszug von vielleicht etwas zugespitzten Argumentationsbeispielen:
Es lässt sich mit einem Hauch von gesundem Menschenverstand relativ schnell erkennen, dass hier die Werbedemagogen der großen Kom-
munikationsanbieter volle Register ziehen. Ginge es hier nicht um viel Geld und entscheidende Marktanteile für die Zukunft, könnte man einen niedrigeren Gang einlegen und auch Markt und Technik so lange reifen lassen, bis eine sinnvolle Nutzerbalance gegeben wäre.
Hier zeigt sich das große Dilemma der Glasfaserbranche. Es gibt im Privatkonsumentenumfeld eigentlich nur eine Anwendungsart, die eine Glasfaserverbindung als technisch sinnvoll erscheinen lässt, nämlich die Übertragung von Fernseh- und Videofilmsignalen. Ein Fernseh-, bzw. Videosignal ist ein regelrechter "Bandbreitenfresser", der nie genug "Performance" bekommen kann, zumal man die Signalanforderungen durch HDTV, 3-D-Fernsehen und parallele Rekorderfunktionalitäten bequem steigern kann. Ohne die Übertragung von Videosignalen ließe sich ein Glasfasernetz für private Endkunden weder argumentieren noch wirtschaftlich rechnen. Man betreibt enorme Aufwendungen, um eine Technik neu auszubauen und Anforderungen zu erfinden, die aber auf anderem Wege bereits stabil und kostengünstig gelöst sind, nämlich über die gute alte Satellitenschüssel. Wird deshalb doch die Schüssel von Kabelnetzbetreibern seit jeher als der natürlicher Erzfeind Nummer 1 betrachtet, scheuen diese selbstverständlich auch nicht davor, profes-
sionelle Betreiber von Satellitenschüsseln als altmodisch, unwissend, unbelehrbar und irgendwie krank abzustempeln. Im Grunde genommen machen aber die großen Netzbetreiber nichts anderes. Auch sie emp-
fangen die Fernsehsignale mit etwas größeren, zentralen Satelliten-
systemen und speisen dann diese Signale in ihr eigenes Netz ein. Dem geblendeten Endanwender wird nun analog zu "grünem Strom aus der Steckdose" das Ganze mit entsprechendem Aufschlag als "intelligentes und sauberes" Signal der Zukunft verkauft.
Es geht im Kern eigentlich nur um Geld. Technischer Fortschritt wird dabei gerne gesehen oder gar gezielt vorangetrieben, damit sich bei der vernünftigen aber tendenziell eher konsumträgen Bevölkerungsmasse Absatz und Verbrauch von außen zwangsweise erhöhen lassen.
Der latente eindimensionale Verbraucherwunsch nach immer mehr Leistung, Bandbreite und Spielmöglichkeiten wird ständig befeuert durch entsprechende Angebote, die einen immer absurderen Mehrwert ver-
sprechen. Achtung - wenn Sie allerdings irgendwann den unstillbaren Wunsch verspüren, eine Sendung wie "Wer wird Millionär" in 3-D-Tech-
nologie sehen zu wollen, sind Sie unheilbar infiziert und sitzen in der Falle. Das langfristige Problem des Fernsehens liegt nicht im Bereich der Technik, sondern im Bereich des Inhaltes. Wer diesen Gedanken als Be-
vormundung empfindet, sitzt auch in der Falle.
Das große Geschäft mit lechzenden, abhängigen Kunden lässt sich im Bereich der Kabeltechnologie nur noch mit sogenannten "All-in-One"-
Anschlüssen erreichen, das heißt man will den Kunden komplett ver-
einnahmen, nämlich sein Internet, sein Telefon (am besten noch als VoIP über das Internet) und vor allem sein Fernsehen. Hat man alle drei Be-
dürfnisse in einem Kabel gebündelt und den exklusiven Zugang sowohl zur Wohnungsdose als auch zum Portemonnaie monopolisiert, ist die langfristige Kundenkontrolle gesichert. So erklärt sich auch relativ leicht, warum das Versorgungsparadies des magentafarbenen Informations-
versorgers stets in zahlungskräftigen und pflegeleichten Stadteilen beginnt.
Unsere Argumente gegen eine "beiläufige" Glasfaserverkabelung unserer Häuser nach jetzigem Vorgehensmuster der Netzbetreiber lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
Zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir somit im Bereich Glasfaserkabel keine Notwendigkeit, das zu tun, was Dritte von uns wollen. Probleme gibt es nicht, Möglichkeiten gibt es viele. Wer als Mieter etwas mehr will, kann ggf. dies auch mit Genehmigung von Gartenheim tun, sollte es aber auch selbst bezahlen, damit es für die Allgemeinheit, die davon nichts hat bzw. es nicht will, nicht noch teurer wird.